Im Juli 1980 geht ein Foto um die Welt: 13 Menschen aus El Salvador verdursten in der Wüste von Arizona. Die junge Dora Herrera ist die einzige Überlebende. Jahrzehnte später befüllt sie gemeinsam mit Freiwilligen Wasserfässer in der Wüste und sucht nach menschlichen Überresten – damit verzweifelte Familien Abschied nehmen können. Denn die Migranten sind nicht aufzuhalten.
Eine 93-jährige Frau, allein in ihrem leergewordenen Haus. Der Film begleitet sie durch einen einzigen Tag: Ankleiden, Kochen, Kreuzworträtsel, Brillesuchen. Dann öffnen sich Lücken in der Erzählung – eine Ameise auf langem Weg, Licht beim langsamen Verschwinden. Ein dokufiktionaler Film über Gesten, Gewohnheiten und das stille Gewicht des Alltags.
Kurze Dokumentarfilme für junges Publikum – neugierig, bunt und auf Augenhöhe. Das Kinderprogramm des dokKa lädt Kinder ab 6 Jahren ein, alleine oder gemeinsam mit ihren Eltern. Die Filme laufen auf Deutsch. Eintritt frei.
Ein Vater, der seine Innenwelten in Fotografien, Malereien und Skulpturen verwandelt. Und der in Psychosen Gewalt auslebt – auch gegen die eigene Familie. Die Regisseurin kennt beides: die Bewunderung für den Künstler, die Liebe zum Menschen, den Schmerz durch den Täter. Ein Film über einen Menschen, der gegen sich selbst kämpft – und eine Tochter, die nicht loslässt.
Seit 2022 sind rund 350.000 Kinder aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. Max, 14, will zurück – sein Land aufbauen, Politiker werden. Ivan, 18, träumt von einer Karriere als Opernsänger und will bleiben. Mariia, 19, hat keinen Ort mehr, zu dem sie zurückkehren könnte: Das Haus in Mariupol wurde zerbombt. Aus Kindern sind junge Erwachsene geworden – und die Fragen werden existenzieller.
Josephine Dickinson ist seit ihrem sechsten Lebensjahr taub. Sie studierte in Oxford, schlug eine Karriere als Komponistin und Dichterin in London ein – und zog mit Ende 30 in ein abgelegenes Dorf im Nordwesten Englands, um mit einem viel älteren Schafzüchter zu leben. Ludwig Bergers feinziseliertes Feature trifft sie 68-jährig inmitten der nordenglischen Landschaft. Wie hört sie die Welt? Wie komponiert sie?
Wälder verwüstet durch Trockenheit und Borkenkäfer im Bergischen Land, gerodet für Profit in Indonesien und der DR Kongo. Der Filmemacher Daniel Kötter lädt seine jahrelangen Kollaborationspartner – den Instrumentenbauer Ikbal Lubys und die Journalistin Olande Byamungu – in seine deutsche Heimat ein, um die Verwüstung gemeinsam anzusehen. Im Gegenzug führen sie ihn an die Orte ihrer eigenen Verluste. Ein dokumentarisches Märchen, das fragt: Was macht einen Wald aus – und wem gehört er?
Dreißig Jahre nach dem Massaker von Srebrenica kehrt der Regisseur zurück – als Kind war er in die Schweiz geflohen. Nun sucht er nach den Wurzeln seiner Identität und trifft Hasan, einen der wenigen Überlebenden. Zwischen Archivbildern und dem Bosnien von heute entsteht ein intimes Portrait von Erinnerung, Verlust und der Frage, wer man ist, wenn die Heimat zur Wunde wurde.
Deutschland kurz nach der Wende, zweite Entlassungswelle. Auf alten U-matic-Bändern des Leipziger Piratensenders KANAL X sprechen Frauen aus DDR-Industriebetrieben mit überraschender Selbstverständlichkeit über ihre hart erkämpfte Unabhängigkeit – und ihr Erstaunen darüber, dass nun plötzlich nur noch Männer ihre Arbeit machen sollen. Über 30 Jahre später findet Gerd Kroske die Frauen wieder und konfrontiert sie mit dem alten Material. Was wurde gewonnen? Was ist verloren gegangen?
Am 18. Januar 1996 brennt das Asylbewerberheim in der Hafenstraße 52 in Lübeck. Zehn Menschen sterben – sieben Kinder und drei Erwachsene aus Zaire, Angola, Togo und dem Libanon, die Jüngsten in Deutschland geboren. Für die Tat wurde nie jemand verurteilt. Dreißig Jahre später fragen Steffi Wassermann und Erika Harzer: Was bedeutet das für die Betroffenen – und für die Stadt?
Schweineherzen können in den menschlichen Körper transplantiert werden. Die Ähnlichkeit zwischen Mensch und Schwein ist größer, als die meisten wahrhaben wollen. Der Film begleitet zwei Tierärztinnen in ihrer widersprüchlichen Beziehung zu Schweinen – und stellt die Frage: Wenn Schweine uns das Leben retten, müssen wir dann anders mit ihnen umgehen?
Über zwei Millionen Palästinenser versuchen einen erbarmungslosen Krieg zu überleben. Mittendrin: UN-Mitarbeitende, Pflegepersonal, Medizinerinnen und NGO-Mitarbeiter. Jeden Tag müssen sie neue Wege finden, um den Mangel an lebensnotwendigen Materialien auszugleichen. Das Feature von Dörte Fiedler und Gianmarco Bresadola gibt ihren Erfahrungsberichten Raum – und sammelt ein düsteres Bild der humanitären Lage aus der Perspektive derer, die medizinisch, psychologisch und mit Lebensmitteln zu helfen versuchen.
Die AG DOK Südwest präsentiert für alle Interessierten aktuelle Filmprojekte aus der Region im Kino und lädt zum Netzwerken ins Foyer der Kinemathek. Alle Filmschaffenden sind anwesend. Bis zum 22. April können Projekte zur Präsentation unter agdoksuedwest@gmail.com eingereicht werden.
Jahrelang warnen drei Forschende aus den USA, China und Singapur vor der nächsten Pandemie. Als sie Recht behalten, werden sie nicht gehört – sondern beschuldigt. Hassnachrichten, Todesdrohungen, politische Schuldzuweisungen. Christian Freis Dokumentarfilm zeigt, wie Wissenschaft zum Spielball wird, wenn die Antworten unbequem sind – und wie gezielt geschürtes Misstrauen eine Gesellschaft aus den Fugen bringt.
Raum zum Gespräch und Austausch über das dokKa-Programm bietet sich beim gemeinsamen Frühstück am Donnerstag- und Sonntagvormittag. Regionale Produkte und frisch zubereitete Köstlichkeiten werden durch das Kaffeeangebot der Kinemathek ergänzt.
Das Festival feiert mit Karaoke im Foyer, kühlen Getränken, Gästen, dem Publikum und visuellen Eindrücken der aktuellen Ausgabe.
Studierende des Studiengangs Medienkunst der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe zeigen sechs dokumentarische und essayistische Kurzfilme sowie Hörstücke – persönliche, poetische und gesellschaftliche Perspektiven auf Arbeit, Erinnerung, Körper und Alltag. Im Anschluss sprechen die anwesenden Regisseurinnen und Regisseure über ihre Arbeit.
Können Feminismus und Religion koexistieren? Inna Shevchenko, einst bekannt als Anführerin der Oben-ohne-Proteste von FEMEN, tauscht den Protest gegen den Dialog – und reist zu Priesterinnen, Imaminnen, Rabbinerinnen und Theologinnen, um genau diese Frage zu stellen. Ein visuell beeindruckender, provokativer Dokumentarfilm, der uralte Symbole des Glaubens durch eine feministische Linse neu betrachtet.
Caazapá, „die Stadt der Zauber und Legenden" – eine der ärmsten Gegenden Paraguays. Zwei junge Studierende versuchen sich hier eine Existenz aufzubauen: als Guides wollen sie Touristen die verborgenen Orte ihrer Region zeigen. Zwölf Kilometer roter Erde weiter, hinter bewachtem Zaun, haben sich europäische Aussteiger ihr eigenes Paradies gebaut: Freiheit, Heilung, Rettung vor dem Weltuntergang. Feuchte Hitze, Zikadenchöre, Grabenkämpfe hinter dem Zaun. Jeder hat hier seine eigene Erzählung vom Paradies.
Lange Nächte, leere Autobahnen, enge Kabinen. Andrès und seine Kollegen halten die Logistik am Laufen – unter Zeitdruck, im Takt eines Systems, das von ihrer Ausdauer lebt und sie gleichzeitig aufreibt. Ein Blick in eine Branche, die alles liefert und selbst kaum gesehen wird.
Schicht für Schicht trägt der Film die Geschichte einer Familie ab und legt darunter zwei Diktaturen frei. In Gesprächen mit ihrem Großvater durchquert die Filmemacherin Nationalsozialismus, DDR und Nachwendezeit. Ein Film über Erinnerung, Vergessen – und die Frage, wie viel persönliche Verantwortung in einem Unrechtsregime möglich ist und eingefordert werden kann.
Als Jérôme Anzeige gegen den Priester erstattet, der ihn als Kind missbraucht hat, greift er zur Kamera. Er filmt sechs Jahre – bis zum Urteil. Er sucht in seinen Erinnerungen, befragt Eltern, Freunde, das soziale Umfeld seiner Stadt. Was er dabei entdeckt: Ein Täter handelt nie allein. Er wird durch ein Netzwerk aus Feigheit geschützt. Die Übergänge zwischen Nicht-wahrhaben-wollen und Mitschuld sind fließend. Ein Film aus der Ich-Perspektive, zutiefst persönlich und zugleich politisch – über Verdrängung, Erinnerung und die Frage, wie man danach weiterlebt.
Vor 14 Jahren überlebte die Regisseurin einen Femizidversuch, verübt von einem Mitschüler. Heute sitzt sie Lehrerinnen, Schulfreundinnen, Kriminalbeamtinnen, Staatsanwälten gegenüber – und fragt, was damals nicht geschah und warum. Hinter jeder Tür: Beschämung, Betroffenheit, und doch niemand, der wirklich verantwortlich war. Sachlich, beeindruckend gefasst fragt sie nach – und nimmt damit dem Schweigen die Macht.
Majd und Shahfaisal leben in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Geflüchtete. Sie sind Teenager mit Träumen und Ängsten – ihre Lebensrealität geprägt von drohender Abschiebung, familiärem Druck und gesellschaftlicher Ablehnung. Was passiert nach der Flucht? Und was wird aus dem Erwachsenwerden, wenn der Ausnahmezustand der Normalzustand ist?