Wie wir Arbeiten: unser Auswahlprozess. Ein Interview.

Seit der dokKa-Gründung vor neun Jahren ist Wolfram Wessels Mitglied der Auswahlkommission. Im Interview berichtet er von seiner ehrenamtlichen Tätigkeit und wie entschieden wurde, welche 17 Dokumentarfilme und Hördokumentationen in diesem Jahr präsentiert werden.

Herr Wessels, Sie waren bis vor kurzem beim Südwestrundfunk (SWR) beschäftigt. Welche Aufgaben hatten Sie dort?

  • Ich war die letzten 15 Jahre als SWR2 Feature-Redakteur angestellt und für Hördokumentation zuständig. Somit ist es verständlich, dass mir innerhalb der dokKa-Auswahlkommission insbesondere die Audio-Werke am Herzen liegen. Die anderen Kommissionsmitglieder kommen eher aus dem Bereich Film, eine Kollegin ist besonders versiert, was Bildende Kunst angeht. Das ist eine gute Zusammensetzung.

Wie darf man sich die Tätigkeit der Auswahlkommission vorstellen? In diesem Jahr erreichten dokKa über 200 Einreichungen von Dokumentarfilmen und Hördokumentationen – das klingt nach einer Menge Arbeit.

  • Wir haben uns 2014 auf ein sehr demokratischen Verfahren geeinigt. Dass heißt, alle Kommissionsmitglieder sehen bzw. hören alles. Die Sichtung erfolgt in einem dreistufigen Verfahren. Zunächst wird von jedem eingereichten Werk der Anfang angeschaut bzw. angehört bis wir einen Eindruck vom Thema und der Herangehensweise haben. Dann wird diskutiert, was in die zweite Runde kommt. Das sind etwa ein Drittel der Einreichungen. Diese Dokumentarfilme und Hördokumentationen werden dann komplett gesichtet. Die Auswahlkommission traf sich in diesem Jahr an insgesamt vier Wochenenden jeweils ganztägig von Freitag bis Sonntag. Regelrecht eingeigelt haben wir uns in einem Kinosaal und diesen nur zu den Essenspausen verlassen.

Wie entstand die Programmauswahl für dokKa Ausgabe 9?

  • Natürlich ist es großer Schritt, aus den vollständig gesichteten Arbeiten ein finales Festivalprogramm zusammen zu stellen. Dabei werden wir von dem Gedanken geleitet, dass dokKa erlebbar machen möchte, was Filmschaffende und Audiokünstler – aber auch unsere Gesellschaft – aktuell bewegt. Oft sind es Themen jenseits der Mainstream-Nachrichten. Und immer wieder ergeben sich dabei spannende neue Blickwinkel auf die Fragen der Zeit. Etwa die Arbeitswelt, Heimat und Migration und oft indirekt Corona: durch Maßnahmen wie Lockdowns waren die Arbeitsbedingungen der Autor:innen teilweise beeinflusst und stellten besondere Anforderungen an die Kreativität. Dem nachzuspüren, wird während des Festivals sehr interessant sein.

Was ist Ihre Motivation, sich ehrenamtlich bei dokKa zu engagieren?

  • Jedes Jahr auf ́s Neue freue ich mich auf die eingereichten Arbeiten, um zu sehen, was die Gesellschaft beschäftigt. Toll ist zudem der Austausch mit den anderen Mitgliedern der Auswahlkommission. Und vor allem freue ich mich auf dokKa selbst und die außergewöhnlich inspirierende Festival-Atmosphäre. Schön ist, dass es immer wieder zu fruchtbaren Begegnungen zwischen Filmschaffenden und Autor:innen von Hördokumentationen kommt – und sie voneinander lernen können. Das hat bereits zu konkreten Zusammenarbeiten geführt. Diese Begegnung verschiedener Formen des Dokumentarischen ist einzigartig in Deutschland und ich bin stolz darauf, dazu etwas beitragen zu dürfen.

Das Interview führte Karsten Köber.

Die dokKa Auswahlkomission

Nils Menrad

Festivalleiter

Nils Menrad studierte Medienkunst/Film an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und arbeitet seit 2010 als Film- und Medienschaffender für Museen, Institutionen und Firmen. Seither entstanden eine Vielzahl an künstlerische Projekte in den Bereich Film, Installation und Performance. Er engagiert sich als Vorstand der Kinemathek Karlsruhe e.V., als Mitglied des Kulturausschusses der Stadt Karlsruhe sowie im Kulturring Karlsruhe e.V. und der AG Filmfestivals. Er gründete das dokKa-Festival und leitet dieses seit 2013.

Mo Frank

Auswahlkommission

Seit 2017 ist Mo in verschiedenen Kinos in Karlsruhe tätig, darunter momentan in der Kinemathek Karlsruhe und dem Kino im Blauen Salon. Mo unterstützt seit 2019 dokKa im Rahmen einer Festivalassistenz und studiert Medienkunst an der HfG Karlsruhe

Carmen Beckenbach

Auswahlkommission

Nach einem Studium der Kunstgeschichte und Geschichte an der Universität Heidelberg ist Carmen Beckenbach seit mehr als zehn Jahren für verschiedene Kultureinrichtungen im In- und Ausland tätig. Ihre Arbeitserfahrung umfasst u.a. die Vermittlung von Medien- und Filmkunst und Beratungseinsätze an der Schnittstelle von Museumsmanagement.

Wolfram Wessels

Auswahlkommission

Freier Mensch mit Neugier und Erfahrung als Autor, Journalist, Redakteur und Künstler in diversen Medien, vor allem im Radio. Tätig für SWR2 Feature, Hörspiel, Dokublog.de, Mehrspur.Radio reflektiert, Literatur, Machete, Dschungel, Kultur Aktuell.

Christine Reeh-Peters

Auswahlkommission

Christine Reeh-Peters ist Filmemacherin uns promovierte Philosophin. Nach vielen Berufsjahren in Lissabon ist sie seit 2019 Juniorprofessorin für künstlerische Forschung an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. Schwerpunkt ist die künstlerische Forschung in Film und Philosophie, sie leitet das Projekt www.fabulationforfuture.net. ZahlreichePublikationen im Bereich Filmphilosophie, sowie Filme als Regisseurin und Produzentin www.crimproductions.com.