Der Funktionär

von Andreas Goldstein

01.06.2019 21:15 Uhr
Die Bilder des Filmessays von Andreas Goldstein liegen oftmals im Nebel, während seine Stimme vom Vater erzählt: Klaus Gysi, Parteifunktionär, Leiter des Aufbauverlags, Kulturminister der DDR unter Ulbricht und später, kurz vor dem Fall der Mauer, Zuständiger für Kirchenfragen. „Familiengeschichten sind ein durch Verletzungen vermintes Gelände.“ Aber Goldstein beschreibt mehr als nur die eigene Geschichte, er verknüpft sie mit dem Leben des Vaters und dem Niedergang der DDR. Dieser ist bei Staatsgründung 37 Jahre und lebte seither für die Partei. In vielen Fernsehstunden sprach er über die Kulturpolitik der DDR. Anfänglich noch eloquent und voller Enthusiasmus, später mit immer bedeutungsloserem und ängstlichem Ausdruck. Goldstein montiert dieses Archivmaterial mit analytischer Präzision. Er legt die Worthülsen, die Sprache und den Ausdruck des Vaters offen und nutzt dessen Scheitern als Blaupause für die Entwicklung des ganzen Staates. Frühe Fotografien und Videoaufnahmen aus seinem Archiv sind zu sehen, und während der Vater von einer lebendigen und blühenden Zukunft spricht, zeigen die Aufnahmen des Sohns meist verlassene, menschenleere Orte. Goldstein sucht immer weiter, nach tiefer liegenden Beweggründen des Vaters und öffnet hierüber eine breitere Perspektive auf das oftmals sehr eng und verkürzt dargestellte Bild der ehemaligen DDR.
Von Nils Menrad

Diese Arbeit wurden beim dokKa Festival 2019 präsentiert:
01.06.2019 21:15 Uhr

  • Titel Der Funktionär
  • Von Andreas Goldstein
  • Sprachen Deutsch
  • Produktionsland Deutschland
  • Länge 72 Min.