Das innere Leuchten

von Stefan Sick

31.05.2019 19:00 Uhr
Was passiert mit Menschen, wenn sie dement werden? Sie scheinen in eine eigene Welt abzutauchen, in die wir nur schwer eindringen können. Zwei Jahre lang hat Stefan Sick die Bewohner einer Pflegeeinrichtung begleitet und dabei ungewöhnliche Menschen getroffen, die unsichtbare Chöre dirigieren, sich mit merkwürdigen Zeichen zu verständigen scheinen, tanzen und sich schon mal Schuhe klauen oder in fremde Betten steigen wollen. Er beobachtet ihren Lebensalltag, ihre Verzweiflung, wenn ihnen bewusst wird, dass ihnen Ausdrucksmöglichkeiten fehlen, ihre Freude, wenn ihre Kinder sie besuchen, ihre Zufriedenheit, wenn sie ihren Betreuen helfen können. Es entsteht eine emotionale Nähe zu ihnen, die Sick so erlebte: „Für mich fühlt es sich so an, als würden Menschen mit Demenz ihre Schutzschicht, die sich jeder von uns während seines Lebens mehr oder weniger antrainiert, verlieren und als würde ihr Charakter ungefiltert nach draußen dringen.“ Es gelingt dem Filmemacher in ruhigen Bildern, diese Erfahrung einzufangen und dem Zuschauer zu vermitteln. So kann er eintauchen in diese besondere Welt und erahnen, was dieser Zustand der Demenz bedeutet. Ein Film voll stiller Lebensfreude, Humor und Wehmut.
Von Wolfram Wessels