Aggregat

Von Marie Wilke
Wie schwierig Kommunikation sein kann, kennen wir aus unserem Alltag. Wie verhält es sich jedoch, wenn Kommunikation zwischen Politik, Wählern und Medien nicht mehr funktioniert? Aggregat widmet sich dieser Frage, jedoch ohne sie offen zu stellen. Wilke gelingt dies in ihrem Film auf ganz besondere Weise. Das lateinische „aggregare“ bedeutet „hinzunehmen“, „ansammeln“ und der Titel des Films steht hierbei für das Prinzip der Montage. Angesammelt werden Sequenzen und Beobachtungen aus dem deutschen [Arbeits-]Alltag von Politikern, Journalisten, Bürgern und Demokratievermittlern zwischen 2016 und 2017. Wie erklärt eine Fernsehredaktion ihren Zuschauern den Unterschied zwischen AfD und der Identitären Bewegung? Wir beobachten Politiker beim Antipopulismustraining. Auf einem Marktplatz steht das Infomobil des Deutschen Bundestags und in einer Mehrzweckhalle treffen bei „Küchentischgesprächen“ aufgebrachte Bürgerinnen und Bürger auf die Politik. Je länger wir den Sequenzen von Wilke folgen, umso mehr verdichten sich ihre ruhigen Beobachtungen. Die Szenen des Films sind mit kurzen Schwarzbildern getrennt und scheinen zuerst wenig zusammenzuhängen. Das Aggregat entsteht jedoch mit dem Betrachten des Films und zeigt auf eindrückliche Weise, wie aus der Summe scheinbar loser Teile ein größeres Ganzes entsteht.
Von Nils Menrad

Diese Arbeit wurden beim dokKa Festival 2018 präsentiert:
30.05.2018 19:00 Uhr

Das Gespräch mit Diskussion zur Arbeit:
http://www.dokublog.de/mp3/dokka-5-aggregat