kinoKlang

Zum Jubiläumsfestival 2018 luden wir Künstler und Künstlerinnen ein den Kinoraum akustisch einzufangen. Begeben Sie sich auf Hörtour mit sieben Arbeiten die sich zwischen Dokument, Klangkunst und Performance bewegen. Alle Arbeiten verbindet der Kinosaal als zentraler Ort: wir hören die analogen Geräusche eines Projektors, Überlegungen und Assoziationen zur Beschaffenheit des Raums oder einfach nur dessen Stille.

Reich der Optophoneten – Ein akustisches Märchen über Störenfriede aus der Welt des Filmtons
2018, 7,20 Min, Rilo Chmielorz

Das hier vorgestellte Stück beleuchtet das potentielle akustische Eigenleben eines Zelluoid-Lichtton-Streifens. Kompositorische Klammer bilden die Geräusche eines historischen Filmvorführgerätes, das den Hörer entführt in einen Hörfilm, in dem sich verkratzte Tonspuren in feine abstrakte Klangteppiche verwandeln können, musikalische Fragmente ebenso auftauchen wie das ein oder andere elektronisch verbrämte Filmzitat, das  von Ferne herein weht.  Die "Optophoneten" treten als kleine, witzige - akustisch-parasitäre - Störenfriede auf, die wie Kobolde aus einem (Film)märchen den Hörer in einen eigenen Kosmos entführen. 

Kinoklang
2018, 3:10 Min., Christian Claus

Kinoklang ist ein Hörstück, das auf gesprochenem Wort basiert und hauptsächlich mit mündlich produzierten Klängen entstanden ist. Durch Zuhilfenahme von DJ-Techniken bekommt das Ganze eine abstrakte Note verliehen - und so wird man von Szenario zu Szenario gescratcht.

3 Kinos
2018, 6,10 Min., Christoph Korn

Die meiste Zeit ihrer Existenz verbleien die Kinoinnenräume ohne Film, ohne Publikum,
allein mit sich, in ganzer Stille. "3 Kinos" macht dem Horchenden 3 Kinoinnenräume in ihrer stillen Anwesenheit, zu Zeitpunkten da sie leer und unbespielt sind, zugänglich. Sie hören zwei Düsseldorfer Kinoinnenräume und die Einladung den dritten Kinoinnenraum "live" wahrzunehmen (Kinemathek/Karlsruhe).

Raum_in_Ton
2018, 10:30 Min., Johannes S. Sistermanns

Die Komposition besteht aus originalen Raumtönen ausgewählter Kinoräume. Sie mit der Stimme eingesungen und bilden das Klangmaterial einer mehrstimmigen Komposition. Während der Kinoraum Resonanzbox für JEDEN Klang eines Filmes ist, besitzt der Kinosaal selbst eine Frequenz, die nur ihn charakteristisch abbildet, genannt Raumton. Physiker charakterisieren dieses Phänomen als eine ‚stehenden Welle’. Meint: die ausgesendete Frequenz, gesungen oder instrumental gespielt, ist auf dem Rückweg von Wänden, Decke und Mauern identisch, sie überlappen sich.

Applause
2019, 4:20 Min., Kuesti Fraun

Gemütsregungen gehören zum Kino wie der Film selbst. Vielleicht sind sie sogar überhaupt der Grund dafür warum wir ins Kino gehen. So kommt es während der Aufführung eines Films, aber auch unmittelbar danach zu Bekundungen der Zustimmung oder Ablehnung dessen was vorne auf der Leinwand (und auf der Ebene des Tons im Raum) zu sehen ist/ war.

Index of Films
2020, 6 Min., Barbara Eisenmann + Frieder Butzmann

Mit Britta-Ann Flechsenhar, Judiths Krise, Frank Meilchen und vielen anderen

1963 wird der Verein Freunde der Deutschen Kinemathek in Westberlin gegründet. Seit 1970 hat der Verein ein eigenes Kino, das Arsenal, das bis 2000 in der Welserstrasse und seitdem im Filmhaus am Potsdamer Platz ansässig ist und heute Arsenal - Institut für Film und Videokunst heißt. Seit 1971 veranstaltet das Arsenal die Sektion Internationales Forum des Jungen Films, kurz Forum, der jährlich stattfindenden Internationalen Filmfestspiele Berlin und seit 2006 auch das Forum Expanded. Ausgehend vom Filmtitelverzeichnis des Jubiläumsprogramms 2020 wurde ein Audiostück entwickelt. 

Nothing interests him but doors
2020, 6 Min., Diego Cofone + Gregor Kuschmirz

"Nothing interests him but doors." klagte die Schauspielerin Mary Pickford über ihre Arbeit mit Ernst Lubitsch. Inspiriert von dieser Anekdote begeben sich Gregor Kuschmirz und Diego Cofone auf eigene Türensuche und montieren ihre Fundstücke zu einer Expedition ins Reich singender Scharniere, krachender Riegel und klappernder Klinken. Während Lubitsch seine Darsteller gleichsam auf und durch Türen serviert, öffnen Kuschmirz und Cofone einen verschachtelten Imaginationsraum, in dem Türen abwechselnd Grenzen ziehen und Verbindungen schaffen.


Das Projekt wurde von der Baden-Württemberg Stiftung unterstützt.