Daniela Magnani Hüller
Dokumentarfilm
Vor vierzehn Jahren überlebte die Filmemacherin einen durch einen Mitschüler verübten Mordversuch auf sie. In ihrem autobiografischen Dokumentarfilm-Debüt sucht sie nach einer Verarbeitung des Femizids und kehrt zu den Menschen von damals zurück. Sie möchte wissen, wie es dazu kommen konnte, wie die Tat wahrgenommen wurde und welchen Schutz es für sie gibt, jetzt, da der Täter aus der Haft entlassen wurde. Sie spricht u. a. mit einer ehemaligen Lehrerin, einer früheren Mitschülerin, einer Kommissarin und einem Rechtsspezialisten; sie stellt konfrontative und ehrliche Fragen. Dabei wird klar: Femizid ist ein Problem unseres patriarchal verkrusteten Systems, in dem keiner verantwortlich ist, niemand sich befugt fühlt einzugreifen, und in welchem das Gesetz bestimmte Dinge einfach nicht vorsieht. Wenn sie morgens so viel Zeit im Bad verbringe, um sich für die Schule hübsch zu machen, sei es doch kein Wunder. Das sagte damals ihre Mutter. Und Magnani Hüller erinnert sich: Nachdem dem Mordversuch, floh der Täter, und drei nächtliche Passant*innen, zwei Männer und eine Frau, die sie blutüberströmt um Hilfe bat, gingen weiter. „Und trotzdem möchte ich dich um eins bitten: dass du den Glauben an die Menschen nicht verlierst.“ Dieser Satz eines Polizisten, der sie besuchte, als sie im Krankenhaus erwachte, hat der Regisseurin geholfen, das Erfahrene zu verkraften. Und schlussendlich auch Zuversicht und den Sinn für Humor zu bewahren. Eine beeindruckende filmische Suche, in der eine stärkende Perspektive gelingt.



