Jérôme Clément-Wilz
Dokumentarfilm
"This Is My Body" geht von einer persönlichen Erschütterung aus: Nach der Anzeige gegen seinen ehemaligen Priester begleitet Jerome sich und den Prozess gegen seinen Vergewaltiger aus der Kindheit selbst - als Regisseur, Kameramann und Betroffener mit traumatischer Amnesie zugleich.
Fragen nach Schuld, Schweigen und Verantwortung treten hervor, vor allem aber das: Was, wann, wie genau?
Auch das familiäre Umfeld wird sichtbar: die Mutter unter Druck, dem Vater entzieht sich das Gedächtnis. Aufarbeitung wird zur Belastungsprobe, Spurensuche zur schmerzhaften Arbeit: Die eigene Geschichte erscheint nicht als geschlossene Erzählung, sondern als brüchiges Feld aus Fragmenten, während Jeromes Körper zum Speicher dessen wird, was seinem Bewusstsein entzogen bleibt.
Die Selbstdokumentation verschiebt die Kameraethik. Zentral ist sein Blick: Was voyeuristisch wirken könnte, wird durch radikale Autorenschaft gebrochen. Statt Schaulust entsteht ein Schauwillen, der verstehen lässt, warum Jerome nicht ablassen kann. Markant ist die Konsequenz dieser Selbstexposition und die Frage, wie man sich dabei aushält. Am Ende steht kein Abschluss, sondern ein offener Prozess: die Weigerung, die eigene Narrative an den Täter und die Untätigen abzugeben - ein eindrücklicher Versuch der Selbstermächtigung mit der Kamera als Werkzeug.





