Les Vies d'Andrès

Dokumentarfilm

  • Sprachen: Französisch
  • Produktionsland: Schweiz, Belgien
  • Länge: 92
  • Untertitel: Deutsch
  • 17. Mai
  • 15:30 H
  • Kinemathek Karlsruhe
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Les Vies d'Andrès
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Inspiriert von einem Roman von B. Traven aus dem Jahr 1931 überträgt der Film die Figur des mexikanischen Fuhrmanns André auf die französische Gegenwart: Vier Lkw-Fahrer werden zum modernen Pendant des Karrenführers. Das Verhältnis zwischen Filmenden und Protagonisten ist dialogisch - der Fahrer aktiver Erzähler seiner Geschichte. Die Kamera bleibt bei ihnen, nimmt ihre Seite der Windschutzscheibe ein - statt Außenaufblicke lernen wir durch ihre Erfahrungen während der Fahrt, in Pausen und in der Schlafkabine.
"Les Vies d’Andrès" blickt somit hinter den anonymen Fluss der Lkws auf den Autobahnen und macht diejenigen dahinter sichtbar. Zugleich entsteht ein Bild von Industrie-Denke: Ein reibungsloser Ablauf um jeden Preis, die Nerven der Fahrer strapaziert. Die Rädchen in der Maschine werden doch bald als zentrale Stellschrauben einer Zivilisation erkennbar, deren fragile Pfeiler auf ihren Rücken ruhen - denn „ohne Transport keine Zivilisation“.
Was zunächst wie eine beobachtende Annäherung erscheint, geprägt von Straßenverläufen und Routinen, hebt Andrés Erzählung auf eine zweite Ebene. Sie wandelt die Fahrerkabine zur Projektionsfläche gesellschaftlicher und persönlicher Reflexion. Das Verhältnis zur Arbeit, die eigenen Fähigkeiten und Grenzen werden hinterfragt, Frust und Erschöpfung offen gespiegelt... ein Roadtrip ohne Truckerromantik.

Von Sebastian Schönfeld