Happy Happy Baby

Von Jan Soldat

Adult Babys sind erwachsene Männer die eine Art Fetisch für das Dasein als Kleinkind haben. Sven (23), Mike (33) und Thomas (62) sind erwachsene Babys, sie leben ihre Sehnsucht nach unverstellter Nähe und Zuflucht aus. Sie ziehen sich Windeln und Babykleidung an, treffen sich zum gemeinsamen Spielen oder lassen sich füttern. Kuscheln, Bauklötzer und Stofftiere, immer wieder die Flasche und Gute-Nacht-Geschichten. Schnell wird bei ihren Spielen klar, dass Sex zunehmend unwichtig wird, und so mündet eine Reise der Erkundung und des Zeigens von Körperlichkeit vorerst in einer Rückbesinnung auf Kindlichkeit, bis hin zur Asexualität. Die Sehnsucht, wieder klein zu sein, wird als ein Weg der Lebensgestaltung gezeigt. Sie beschert den Protagonisten in ihren intimen Beziehungen Komplikationen sowie die Notwendigkeit von abgesprochenen Rollenspielen.

Von Christine Reeh

Diese Arbeit wurden beim dokKa Festival 2017 präsentiert:
25.05.2017 21:15 Uhr

  • Von Jan Soldat
  • Sprachen deutsch
  • Produktionsland Deutschland
  • Länge 37
  • Untertitel Englisch

dokKa-Preis der Stadt Karlsruhe 2017

Adult Babies. Männer mit Windeln, Schnuller und Bärenkostüm – doch wer nun erwartet, im eigenen Körper einen erhöhten Pulsschlag zu fühlen oder vor Scham zu erröten, fühlt sich um sein eigenes Verlangen nach Voyeurismus betrogen. Im 4:3 Format gedreht und mit langen, statischen Kameraaufnahmen konzentriert Jan Sodat die Aufmerksamkeit in seinem Dokumentarfilm ganz auf den Menschen, wie er in diesem Moment gerade ist und schafft einen reduzierten Raum, in dem eine tatsächliche Begegnung von Mensch zu Mensch möglich wird. Die Direktheit dieser Begegnung wirft einen hinter gesellschaftlich vorgefertigten Wahrnehmungsmuster und Bewertungskategorien und damit ein Stück weit hinter einen selbst zurück. Sie lässt ein Sehen zu, das gerade kein Schauen im Sinne eines Anschauens meint, das das Gegenüber unweigerlich zu einem Objekt macht, über das man in der Bewertung Macht ausübt. Bei einem solchen Sehen sprechen die Körper, die über ihre Positionen und Bewegungen in Spannung miteinander treten – sie erzählen von Nähe, Geborgenheit, Vertrauen, Hingabe. Dieser respektvolle Raum der Begegnung schließt einen selbst mit ein – er wahrt die Integrität und Würde der Personen, denen wir auf der Leinwand begegnen und auch von uns selbst, die wir diese Sequenzen sehen. Man ertappt diese Männer nicht bei etwas, das mit einem gesellschaftlichen Tabu belegt ist und muss sich ebenso wenig selbst in einem Gefühl wie Scham oder Angst ertappt fühlen. Mit dieser Poetik des Entzugs, des Entzugs von Vorstellungen und Gefühlen, die die eigentliche Erfahrung zu präfigurieren drohen, eröffnet sich eine Begegnung, die Raum lässt für neue Erfahrungen, die sich in diesem Moment in Resonanz mit dem eigenen Selbst generieren. Mit einem solchen Raum deutet Jan Soldat impliziert in Richtung einer ethischen Haltung, die angesichts eines Prozesses der Verhärtung von und einem Verschanzen hinter vorgefertigten Positionen, wie er sich zahlreichen Gesellschaften gegenwärtig beobachten lässt, Potentiale für ein Miteinander aufscheinen lässt, das sich an der jeweiligen Erfahrung selbst misst und damit einen tatsächlichen Dialog zulässt, ohne dass dies bedeutet, dass man diese Position für sich an- und übernehmen muss. Der Film endet mit einer solchen Utopie, wenn die Protagonisten selbstverständlich in einem Park auf Schaukeltieren wippen, Männer mit Windel, Schnuller und Bärenkostüm.