Die Geträumten

Von Ruth Beckermann
Eine große Liebesgeschichte der Literatur nach dem zweiten Weltkrieg: Ingeborg Bachmann und Paul Celan schrieben sich fast 20 Jahre lang Briefe (1948-1967). Eine unmögliche Liebe der damaligen Zeit hat Ruth Beckermann zur Frage nach derBedeutung von Liebe in der heutigen, modernen Zeit geführt. Ihr Film ist hierzu vielleicht eine Art Versuchsanordnung. Wir beobachten dabei die Tonaufnahmen in einem Wiener Funkhaus. Zwei junge Menschen lesen Teile der Briefe: der Schauspieler Laurence Rupp und die Musikerin Anja Plaschg. Ihre Gesichter sind nah, jede Regung, jeder Laut, jedes Atmen oder Blättern dringt durch Ton- und Bildebene in den Zuschauerraum. Das Verlangen nach dem Anderen, der Wunsch die räumliche Distanzund Trennung zu überwinden und auch immer wieder der Zweifel an Aufrichtigkeit und Dauer der Gefühle spricht aus den Texten. Die Montage folgt dem Rhythmus des Dialogs. Wir sehen die Wirkung unmittelbar in der Mimik, den Blicken der Vortragenden untereinander und bei den Pausengesprächen. Hier sprechen die Darstellenden über die eigenen Eindrücke der Texte.

Diese Arbeit wurden beim dokKa Festival 2016 präsentiert: 26.05.2016 19:00 Uhr